Naokos Lächeln

Regie:  Anh Hung Tran

Genre: Drama, Romance

Darsteller:  Rinku Kikuchi, Ken’ichi Matsuyama, Kiko Mizuhara, Kengo Kora, Eriko Hatsune, Reika Kirishima

Zum Ersten muß hierbei gesagt werden, es ist nicht der erste japanische Film, den ich rezensiere, aber wohl der erste, der mich wirklich gefühlsmäßig stark bewegt hat. Ich mag die japanischen Dramen, weil dort Dinge ausgesprochen werden, die im Leben des normalen Japaners eher wegen der Tradition unter den Tisch fallen. Also seht es mir nach, wenn diese Besprechung des Films ein wenig persönlicher gefärbt ist als meine sonstigen Arbeiten auf diesem Gebiet.

Doch fangen wir am Anfang an. Ich bin sicher, daß im vergangenen Jahr jeder das Geschrei um den Film Naokos Lächeln miterlebt hat. Die Medien waren voll des Lobes über diesen Film, obwohl ich mir sicher bin, daß die meisten Artikel nur gekaufte Werbung waren. Der Film hat einen gewissen Anspruch, nimmt diesen aber leider in der deutschen Synchro ganz gewaltig auf die Schippe und verzerrt dadurch das Insgesamtbild. Wer ein alltägliches japanisches Drama erwartet hat, sieht sich jedoch enttäuscht. Das Drama spielt sich im Gefühlsleben der Darsteller ab, denen man meist, absolut untypisch für japanische Verhältnisse, den Schmerz auch ansieht.

Die Hauptdarstellerin des Streifens, eben jene Schönheit, die die Naoko spielt, fiel mir bereits in EINE KARTE DER KLÄNGE VON TOKYO auf, in dem sie eine äußerst skrupellose und gefühlskalte Killerin spielt, die sich in eine ihrer Zielpersonen verliebt und deshalb den Auftrag schmeißt. Auch hier zeigt sie ein wahnsinnig intensives Spiel. Jedoch gelingt es ihr in Naoko dieses Spiel noch ein wenig zu steigern. Gerade so viel, daß nicht nur ihre Figur absolut glaubhaft wird, sondern daß man meint, sie selbst IST Naoko. Ihre schauspielerische Leistung – die jedoch im Film äußerst sparsam Einsatz findet – überstrahlt das Spiel der sonstigen Darsteller.

Die drei weiblichen Nebenrollen, sowie die beiden männlichen Nebenrollen, sind optimal besetzt. Bei den weiblichen Darstellerinnen fällt jedoch ins Auge, daß auch sie zu intensivem Schauspiel angehalten wurden, um mit der Rolle der Naoko überhaupt konkurrieren zu können. Die Darstellerin der Hidori jedoch spielt sich jedem ins Herz mit ihrer warmen Art, von man spürt, daß diese nicht gekünstelt ist.

Doch kommen wir nun zum eigentlichen Film. Über die Storie möchte ich nicht allzuviel verraten, nur soviel, daß es eine dramatische Liebesgeschichte mit einem überraschendem Ende ist. Dramatisch deshalb, weil man auch als Zuschauer ziemlich gut mitbekommt, unter welchem Problem nicht nur Naoko, sondern auch die männliche Hauptrolle eigentlich leiden. Da der Autor dieser Literaturverfilmung nicht nur in Japan ein Star ist, sondern weltweit, verwundert es schon ein wenig, daß dieser Film – obwohl von der Kritik hochgelobt – in Deutschland kaum anhaltenden Erfolg hatte. Zumeist war er sowieso nur in Kinos im Original mit deutschen Untertiteln zu sehen, oder dann in der leicht gekürzten synchronisierten Fassung. [Die mir vorliegende DVD-Version ist ungekürzt.]

Da dieser Film kaum sehenswerte Tricks enthält, wird die Benotung nach dem bewährten System sich nur auf die Kameraführung, den Stil des Regisseurs und die schauspielerische Leistung beschränken müssen. Auch wenn Technik bei einem Film entscheidend ist, und Naokos Lächeln vornehmlich wegen seiner literarischen Umsetzung auf verschiedenen Festivals gelobt wurde, spielt sie bei diesem Werk keine Rolle! Ich möchte, daß dies beachtet wird, wenn man sich aufgrund der hiesigen Rezension den Film organisiert.

Fangen wir beim Stil des Regisseurs an. Ang Hun Tran ist der Superstar, wenn es darum geht, einen Stoff im Verhältnis eins zu eins zu übernehmen und umzusetzen. Sein anderer guter Film, der ebenfalls noch heraussticht, ist DER DUFT DER GRÜNEN PAPAYA. Ebenfalls ein Buch, daß er literarisch sehr detailiert umgesetzt hat. sein Stil ist es nun einmal, auf kleine Feinheiten zu achten, wie er schon damals bewies. Mit Naokos Lächeln beweist er einmal mehr, daß auch schwerer literarischer Stoff für ihn leicht zu bewältigen ist, bekommt er die Schauspieler, die er für ein Projekt haben möchte. Sein Stil verdient eindeutig ein A, was jedoch bei dieser Storie kein Wunder ist.

Zur Kameraführung sei nur folgendes gesagt: Wer keinerlei Erfahrung mit japanischen Doramen hat, sollte sich vorsehen. In Doramen testen Kameraleute ihr Können aus, entwickeln Stile und Totalen, wie man sie sonst nicht kennt. Bei diesem Film sei nur eines angemerkt: Die Kameraführung ist äußerst professionell, aber durch die Storie an die Darsteller gebunden.- So werden Nuancen aufgefangen, die einem sonst entgehen würden. Besonders gut sieht man es am Charakter Hidori, die am Anfang überzeichnet wirkt, doch im weiteren Verlauf des Films immer weicher wird. Wenn auch ziemlich weiblich dabei bleibt.

Kehren wir nun zur eigentlichen schauspielerischen Leistung zurück. Ich habe schon einige japanische Kinofilme gesehen, viele auch im Original, weil mich die Sprache fasziniert und japanisch im Prinzip leicht zu verstehen ist, wenn man erst einmal die Grundregeln begriffen hat. Für Naokos Lächeln bedeutet dies – auch wenn mir nur die synchronisierte Fassung vorliegt und ich noch nicht Zeit hatte, mir die Originalfassung anzuschauen – daß man immer wieder damit rechnen muß, überrascht zu werden. Japanische Schauspieler – Künstler trifft es wohl eher – sind dazu angehalten, immer das Beste zu geben. Auch bei eher schwachen Geschichten spielen sie so, als hinge ihr Leben davon ab. Allgemein ist das schauspielerische Repertoire der meisten japanischen Künstler besser ausgeprägt als bei europäischen Künstlern.

Wie schon weiter oben erwähnt, die schauspielerische Leistung liegt in diesem Film weit über dem Durchschnitt. Selbst für japanische Verhältnisse zeigen die Darsteller mehr als sie müssen, bleiben sich aber innerhalb ihrer Rollen absolut treu. Der Film fordert von seinen Darstellern alles. Ob es nun eine Sexszene, eine Diskussion oder das gesamte Exterior ist, welches auf die Charaktere einwirkt, alles wird mit voller Leidenschaft gespielt. Man merkt richtig, daß es den Schauspielern Spaß machte, derart offen zu sein.

In der Insgesamtnote erhält der Film die Note ABA. Ein leichter Abzug wegen der Kameraführung, weil ein solcher Blick auf die Menschen und die damalige Zeit in Japan, für den Westeuropäer reichlich ungewohnt ist. Ansonsten ist der Film jedoch erste Sahne. Und ich empfehle ihn auch demjenigen, der sonst nichts an japanischen oder künstlerisch ambitionierten Filmen hat.

[In diesem Jahr werden wir hier vermehrt japanische und künstlerisch ambitionierte Filme besprechen und ein wenig vom sonstigen Action- und SF-Klamauk Distanz einnehmen. Gute Filmrezension lebt nun einmal davon, daß man sein Spektrum erweitert. Und dafür steht auch dieses Blog ein.]

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