2. Dossier: Ausbildungsberufe, einmal anders

Das Bild der Frau hat sich in den letzten 80 Jahren entscheidend geändert. Aber noch nicht so weit, daß man wirklich von einer Verbesserung der Zustände für die Frauen sprechen könnte. Ich möchte dies an einer Beispielgeschichte beschreiben, die ich vor einiger Zeit von einer frankfurter Freundin erfuhr. Jene Freundin ist Ostasiatin und arbeitet inzwischen als Hure in der Stadt. Eine andere Arbeit bekommt sie – obwohl sie eine sehr gute Ausbildung nachweisen kann – nicht! Der Name tut an dieser Stelle auch nichts zur Sache. Die Geschichte selbst ist wichtig.

Besagte junge Frau schloß eine dem Gymnasium entsprechende Schule in ihrer Heimat ab und kam vor 8 Jahren nach Deutschland, um hier ihr Musikstudium abzuschließen. Natürlich hoffte sie darauf, in einem kulturbeflissenen Land wie dem Unsrigen eine faire Karriere zu machen. Daß nichts daraus wurde, liegt am System. Nicht an ihren Fähigkeiten.

Als sie in dieses Land kam, hatte sie noch große Pläne, noch größere Träume und die Zuversicht, daß alles gut werden würde. Den Nachstellungen deutscher Männer erwehrte sie sich zäh und ausdauernd, auch wenn nach ihren Worten der eine oder andere gute Kandidat darunter gewesen war. Sie konzentrierte sich auf ihr Musikstudium, welches sie in Ostdeutschland begann. Der Weg führte sie über Süddeutschland schließlich nach Hessen. Und hier begann die Misere dann erst.

Die ersten Jahre an der Musikakademie verliefen normal, aber schon da reichte gelegentlich das Geld nicht. Zuerst jobbte sie deshalb als Bedienung in einem kleinen Café in der Innenstadt von Frankfurt/Main, bevor sie es dann vorzog, bei einem Landsmann in dessen Restaurant zu arbeiten. Hier war schlicht die Bezahlung um einiges besser. Auch wurde sie hier von den Kunden mit ein wenig mehr Respekt behandelt.

Nach dem erfolgreichen Abschluß der Musikschule begann dann das Dilemma. Das hessische Landesrecht schreibt beispielsweise bei solchen Studenten vor, daß sie innert eines Jahres nun einen festen Job oder eine Eheschließung nachweisen müssen, wollen sie im Land bleiben. In jedem anderen Fall erlischt nicht nur die Aufenthaltsgenehmigung, sondern auch das Visa wird nicht mehr von der eigenen Botschaft verlängert. Im Falle einer Hochzeit sieht es so aus, daß es dann zu einem relativ unbegrenzten Aufenthalt kommt.- Jedoch muß ein eigenes Einkommen in Höhe von € 700 generell nachgewiesen werden. Schon während des hiesigen Studiums!

Da besagte Freundin aber nicht heiraten wollte, blieb ihr nur die andere Alternative, einen entsprechenden Job zu finden. Nun sollte man aber wissen, daß das hessische Kultusministerium, wenn es um die Vergabe von Musikerstellen in den hiesigen Orchestern geht, als äußerst geizig verrufen ist. So werden manchmal neue Stellen nur mit Leiharbeitern besetzt. [Kein Scherz.] Die als Grundgehalt deutlich weniger als die angestrebten € 700 brutto erhalten. Früher oder später wird Musiker also gezwungen sein, einen Zweitjob anzunehmen, wenn er in der Lage sein möchte, seine Miete gleichfalls begleichen zu können. Von den Lebenshaltungskosten in einer Großstadt wie Frankfurt/Main einmal abgesehen.

Laut ihrer eigenen Aussage wurde sie von einer Kommilitonin in die Branche eingeführt, die schon seit Jahren so arbeitet. Offiziell ist sie als freie Musiklehrerin bei einer unabhängigen Musikschule angemeldet, nebenher läuft dann der Job als Hure. Oder besser Callgirl, da die Mädels Stundensätze nehmen können, von denen manche nur träumen. Der erste Ausflug in das horizontale Gewerbe verlief nicht sehr erfreulich. Doch war da besagte Freundin zuerst nur als Bedienung bei einer der größeren Banker-Partys mit dabei. Die Arbeitsstelle als Bedienung im Asia-Restaurant tätigte sie noch nebenher, während sie verzweifelt nach einer Orchesteranstellung suchte.

Doch die einzige Planstelle, die frei wurde, war ein niedrigst bezahlter Job bei einem Orchester. Als typische Leiharbeiterin in der Musikbranche hatte sie auf Abruf als Vertretung regelmäßig da zu sein, um im Zweifelsfall mit ihrem Instrument einspringen zu können. Nur wurde die Person, für die sie einspringen sollte, ein volles Jahr kein einziges Mal krank und erschien zu den Konzerten. Dadurch schrumpfte ihr durchschnittlicher Monatslohn um 60%, und sie bekam nur den Mindestsatz bezahlt, der gerade einmal bei € 360 liegt.

Als Bedienung im Asia-Restaurant erhält sie je nach Stundenleistung im Schnitt noch weitere € 150. Alles in Allem reicht dies nicht einmal, um die Miete zu bezahlen. Auf staatliche Unterstützung möchte sie nicht gehen, weil ansonsten ihr Visa umgehend außer Kraft gesetzt werden würde. Ihr deutsch ist besser als das vieler Deutscher und da sie neben der Heimatsprache, dem deutschen, noch drei weitere Sprachen fließend beherrscht, sollte man der Meinung sein, daß ihre Chancen einen vernünftigen Arbeitsplatz zu finden, relativ hoch seien. Dem ist jedoch nicht so.

Heutzutage ist es in diesem Land so, daß je höher und besser der Bildungsstand ist, umso geringer der Platz ist, den man als Arbeitnehmer einnehmen kann. Auf gut deutsch: Je höher der Ausbildungsgrad und Wissensstand, umso unmöglicher wird es einen halbwegs gut bezahlten Job zu finden. Die Aussagen des Bundesarbeitsministerium zu diesem Problem sind reine Luftschlösser. Nicht jeder, der Arbeiten möchte, findet auch Arbeit. Er mag zwar eine Arbeit finden, doch dann entweder chronisch unterbezahlt, oder aber in einem Berufszweig, in dem er nicht tätig sein will.

Auf meine ostasiatische Freundin übertragen hieß dies, daß sie eine Lösung finden mußte. Nachdem das zweite Jahr zur Hälfte vorbei war und sie von ihrer Hausverwaltungsgesellschaft eine Abmahnung erhielt, weil sie mehr als 3 Monatsmieten im Rückstand war, faßte sie sich ein Herz. Und sagte jener Kommilitonin zu, zukünftig mit ihr zusammen zu arbeiten.

Dieses Arrangment funktioniert nun schon im zweiten Jahr. Inzwischen verdient sie in der Woche im Schnitt (nach Steuern) € 2.000. Und den Preis, den sie persönlich dafür bezahlt, ist bedeutend höher. Sie hat auf ihre Menschenwürde verzichten müssen. Zwar geht sie nun immer auf Vermittlung einer bekannten frankfurter Agentur im Umland von Deutschlands Finanzhauptstadt ihrem horizontalen Gewerbe nach, aber es macht ihr keinen Spaß und sie macht es, weil sie das Geld benötigt.

Den Gedanken, vor ihrem 35. Geburtstag damit aufzuhören, hat sie sich inzwischen abgeschminkt, wie sie mir einmal am Telefon stoisch mitteilte. [Da wir alte Freunde sind und ich wirklich auf sie stehe, kennt sie natürlich meine Gefühle für sie. Aber sie würde niemals auf eine meiner Avancen eingehen, allein schon wegen der bestehenden Freundschaft. Sie würde sich dann noch schmutziger fühlen, wie sie mir einmal bei einem vertraulichen Gespräch mitteilte.] Wahrscheinlich wird sie dem horizontalen Gewerbe noch einige Jahre erhalten bleiben, bis dann schließlich ihr kleines Engagement beim Orchester ausläuft. Schon jetzt trägt sie sich mit dem Gedanken wieder in ihre Heimat zurückzukehren, obwohl dort auch klar ist, daß sie als Musikerin höchstens eine Privatschule aufmachen kann, da die dortigen Orchester regelrecht mit guten Aspiranten übersättigt sind.

Man sieht also daran, daß es heutzutage wirklich vollkommen scheißegal ist, ob eine Frau eine gute Ausbildung nachweisen kann. Laut einer Expertise des statistischen Bundesamtes kommen von den vielen sehr gut ausgebildeten Frauen in dieser Republik gerade einmal 2% in einen guten Job nach ihrer Ausbildung. Weitere 2% schaffen es dann in Führungsetagen mittlerer Konzerne oder gar Banken, der sonstige Rest bleibt regelrecht abgehängt und bekommt nicht einmal eine Chance, im Ausbildungsberuf zu arbeiten. Dies betrifft aber nun nicht nur jene ausländischen Studentinnen, sondern generell jede Frau in diesem Land. Die Chance, einen guten Job an Land zu ziehen, ist derart mies, daß eine Ausbildung sich selten für Frauen außerhalb des Dienstleistungssektors lohnt.

Womit wir beim letzten Teil dieses heutigen Berichtes sind. Ebenfalls laut statistischen Landesamtes ist die Zahl der vollständig und gut ausgebildeten weiblichen Automechaniker/Automechatroniker in den letzten 5 Jahren zurückgegangen. Feinelektronikerinnen oder Feinmechanikerinnen sind ebenfalls auf dem Rückmarsch. Alles in Allem sieht es so aus, als würde sich in diesem Land bereits die Sache entschieden haben.

Global gesehen bedeutet diese Aussage, daß Frauen höchstens noch als Näherin in Bangladesh akzeptiert werden, jedoch nicht mehr in Arbeitsstellen, die wirkliche Praxis und Erfahrung benötigen. Vom Beruf des Callgirls nun einmal abgesehen. Nimmt man die Callgirldichte von Frankfurt/Main als Grundlage für eine Hochrechnung, wie viele Huren es in diesem Land wirklich gibt, kann einem nur schwarz vor Augen werden. Frauen erhalten schlicht gesagt keine Chance, in ihrem Ausbildungsberuf anständig zu arbeiten. Und wenn, dann zu Lohnbedingungen, die wirklich unter aller Sau sind.

[Dieses Kapitel des Dossiers hängt direkt mit dem nachfolgenden zusammen. In diesem möchte ich einmal einen Einblick in die islamische Gedankenwelt, die Frau betreffend, geben. Und dort sind die Zustände für die Frau generell schon ein wenig schlechter als bei uns hier. Dies ändert jedoch nichts an der Tatsache, daß Frauen in dieser Gesellschaft seit einigen Jahren keinerlei Wert mehr besitzen.]

0. Frau in der Gesellschaft
1. Gesellschaftlicher Aufstieg – Wer bezahlt den Preis?
2. Ausbildungsberufe, einmal anders
3. Eh(r)e und Familie – warum die Ansichten migranter Familien nicht schlecht sein können
4. Schulische Ausbildung kontra Herd
5. Der Beruf als Chance
6. Für verrückt erklärt (5 wunderbare juristisch greifbare Begründungen)!
7. Intersexuelle Frauen
8. Die Gesellschaft im Wandel der Zeit und der Status der Frau darin
9. Gefangene Hure oder Befreierin?

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1 Kommentar on Frau in der Gesellschaft (III)

  1. […] Frau in der Gesellschaft 1. Gesellschaftlicher Aufstieg – Wer bezahlt den Preis? 2. Ausbildungsberufe, einmal anders 3. Eh(r)e und Familie – warum die Ansichten migranter Familien nicht schlecht sein können 4. […]