Nein, heute kommt keine Polemik, heute kommt kein Hate-Angriff, sondern einmal eine Art Lob! Und zwar an unsere reichlich verdummte Gesellschaft. Wie wir ja alle wissen, ist die Westerwelle-Partei eine reine Spaßpartei. Da wird mal aus reinem Spaß den Hoteliers ein Geschenk von € 700 Mrd. gemacht, indem man die MwSt absenkt, oder man stellt lakonisch fest, daß bestimmte Dinge nun einmal nicht gehen.

Die FDP sind die Piraten der Vergangenheit. Ja, sie lesen richtig. So sehr ich die Piratenpartei auch nicht ausstehen kann, so ist sie gleichfalls eine Partei ohne rechte Vergangenheit und noch mehr ohne eine richtige Zukunft. Die FDP hatte so ihre guten Politiker. Ich erinnere nur an den trällernden Walter Scheel, der mit Abstand der sympathischste und vom Volk am meisten geliebteste Bundespräsident gewesen ist. Und dies nicht nur, weil er wie ein Gott sang, sondern weil er sich nicht scheute, gewisse systemale Schwachstellen offen anzuprangern. [Nur war damals die Presse noch nicht so korrupt wie heute, daß sie solche scheinbaren mentalen Entgleisungen groß heraus brachte.]

Ja, die FDP hat gezeigt, daß sie durchaus in der Lage ist wirtschaftliche Kompetenz vorzuweisen, wenn es um den kleinen Bürger geht. Alle Parteien des rechten Flügels, inklusive DIE LINKE, sind darüber Scheiße sauer, weil die FDP sich gegen eine Auffanggesellschaft entschied, die die Arbeitslosen, die demnächst durch Schlecker produziert werden, aufnehmen und ihnen neue berufliche Perspektiven aufzeigen sollte. Daß sich hier nur ein gewisser politischer Flügel als besonders wichtig hervor tut, ist gleichfalls kein Zufall.

Die FDP hat sich wieder ins Gerede gebracht. Nicht nur, daß wir ihr auch unseren amtierenden Bundespräsidenten Joachim Gauck zu verdanken haben – genauso wie vorher Christian Wulff (über dessen Verfehlungen die Partei eindeutig Bescheid wußte) – die FDP hat gezeigt, daß sie noch Granden hat. Von Westerwelle einmal abgesehen, hat das Schlitzohr Rösler in wenigen Tagen mehr Aufmerksamkeit für die FDP erreicht, als es der Unfalltod von Möllemann jemals vermocht hätte.

Aber wovon schreibe ich? Ganz einfach: Die FDP bewies in ihrer so langen Parteigeschichte das allererste Mal soziale Kompetenz. Ja, soziale Kompetenz. Da die Mehrheit der Mitarbeiterinnen bei Schlecker – immerhin geht es hier um eine Entlassungswelle von 11.000 Stellen, die wegen der Insolvenz aufgegeben werden müssen – besteht doch sowieso aus Hartz IV-Aufstockern. Also, was soll dann das Geschrei vom rechten Rand, daß dies unsozial sei, für unternehmerische Fehlentscheidungen wieder einmal den kleinen Bürger bluten zu lassen? Ich meine, DIE LINKE hat sich nicht sonderlich damit hervor getan, den wirklich Bedürftigen in diesem Land ernsthaft zu helfen. Es sieht eher so aus, daß man lieber mit dem braunen Occupy-Gesocks demonstrieren geht, anstatt sich um die in diesem Land anstehenden Aufgaben zu kümmern. Dies kann man auch wenn man in der Opposition ist.

Doch hier bewies wieder einmal die FDP, warum DIE LINKE einfach nicht regierungsfähig wird. Die FDP kümmert sich um ihre Klientel, die FDP kümmert sich um den in Auflösung begriffenen Mittelstand. Die FDP hat gezeigt, daß sie nichts gegen Wirtschaftsverbrechen hat, aber etwas dagegen, wenn der kleine deutsche Bürger jeden Scheiß in Ordnung bringen muß, den Unternehmer und Banker versauen können.

Demnach ist die Entscheidung der FDP, nicht nur bei der anstehenden Wiedereinführung der grundgesetzwidrigen Vorratsdatenspeicherung für das einfache Volk Partei zu ergreifen, sondern auch bei der Schlecker-Pleite zu sagen: „Bis hierhin und nicht weiter“, vollkommen richtig. Nun, dafür gibt es sogar ernsthafte Argumente. Das wichtigste ist das folgende: Es existiert bereits eine Auffanggesellschaft für die 11.000 zukünftig arbeitslosen Mitarbeiterinnen von Schlecker. Die nennt sich Bundesagentur für Arbeit und ist darauf trainiert, Arbeitswillige zu Billigstlöhnen wieder in Lohn und Brot zu bringen. Wozu braucht man eine bundeslandübergreifende weitere Auffanggesellschaft, die diese Arbeit nicht einmal im Ansatz gebacken bekommt? Dann hätte man damals, als man die Telekom verscherbelte, genauso handeln müssen, da die damalige Freisetzung von 5.000 Arbeitnehmern ebenfalls etwas war, wo von linker Seite der Begriff „drohende Massenarbeitslosigkeit“ mißbraucht wurde.

Mir stellt sich jetzt die Frage, wie Ernst kann man Parteien nehmen, die ernsthaft fordern, daß der deutsche Michel wieder einmal die offene Rechnung von total unfähigen Wirtschaftsführern bezahlt? Wie intelligent ist das? Oder geht es hierbei eigentlich weniger um die drohenden Arbeitslosen, als eher darum, guten Willen zum bösen Spiel gezeigt zu  haben? Der nächste Schritt nach der Auffanggesellschaft wäre nämlich gewesen, daß die Schlecker-Verluste, ähnlich der Bankmisere, sozialisiert werden. Und das Schlecker mit einem Mal systemimanent sei, hörte ich auch nur von linker, jedoch nicht von konservativer Seite.

Schlecker hat lange und oft genug den konservativen Parteien Geld gespendet. Solange denn noch welches vorhanden war. Daß es aber nun die Partei der gelebten Liberalität ist, die hier einen Riegel vor zuviel Vetternwirtschaft schiebt, zeigt, daß die FDP ihre alten Grundzüge aus den 70er Jahren nicht verloren hat. Ok, Philipp Rösler ist ein Psychopath, der nichts gebacken bekommt. Rösler ist das, was man einen Chaoten nennt. Noch vor 10 Jahren hätten unsere Eltern verboten, an einen Menschen wie ihn in der Politik auch nur zu denken.

Doch Rösler ist nun einmal da und nun zeigt er mit einem Mal Format, nachdem er ja nicht nur hier als total unfähig und inkompetent zerrissen wurde. Ich gebe ehrlich zu, ich mag die FDP und ihre durchaus verlogene Art absolut nicht. Nur ist die FDP aktuell die ehrlichste Partei, weil sie nichts zu verlieren hat. Die FDP hat richtig entschieden, weil sie das Wohl des Volkes als Ganzes im Auge hatte.

Deshalb stellt sich mir an dieser Stelle nur eine Frage: Sind wir nicht alle ein wenig FDP? Retten wir uns nicht zuerst selbst, bevor wir einem zweiten oder dritten aus der Misere helfen? Ist es nicht so, daß wir nicht eher bereit sind, alles zu tun, um unser eigenes unwürdiges, beschissenes, vor Arbeit strotzendes, Leben zu retten, selbst wenn dies auf Kosten anderer geschieht? Ich meine, auch wenn jetzt wieder der Vorwurf kommt, daß die FDP nur ein Verein gelebter Neoliberalität sei, so stimme ich diesmal unumwunden und ohne weitere Kritik zu. Aber es ist nun einmal so, daß diese Neoliberalität, auch wenn sie viel Schaden anrichtet, hin und wieder doch etwas richtig machen kann. Wer dies nicht erkennt, ist nicht nur einfach dumm, so jemand ist schlicht verblödet und sollte aufhören, die BILD oder andere Blätter zu lesen.

Ich gratuliere also an dieser Stelle der FDP aus ganzem Herzen, weil sie es schaffte, sich selbst treu zu bleiben, und nicht auf den Zug aufsprang: „Lassen wir die Pleite von unserem Freund Schlecker doch von der Allgemeinheit bezahlen.“ Die FDP verhinderte aktiv, daß Verluste sozialisiert wurden. Dies ist sogar ausnahmsweise einmal ein äußerst soziales Verhalten der Partei, der wir den Sanktionskatalog in der Hartz-Gesetzgebung verdanken. Aber die FDP reagierte hier nur egoistisch, wie es ein Jeder von uns tun würde. Uns ist auch unser eigenes Hemd näher als die Hose des Nachbarn. Wer dies bestreitet, lügt einfach nur.

Auch wenn ich Rösler und seine Losertruppe nicht ausstehen kann, hat seine Partei hier das Richtige getan. Die BA muß nicht aufgelöst werden, weil Vollbeschäftigung zu Niedrigstlöhnen herrscht, sondern kann weiter machen. Allein hier in Hessen stehen für die hier von der Arbeitslosigkeit betroffenen 800 Schlecker-Verkäuferinnen 2.000 offene Stellen im Einzelhandel zur Verfügung, die im Schnitt sogar um 100% besser bezahlt werden als ihre bisherigen Arbeitsplätze. Man braucht also keine weitere Auffanggesellschaft, sondern nur eine BA, die diesmal ihren Job richtig macht.

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