Vor kurzem wurde in Hamburg darüber entschieden, ob und in wie weit YouTube den Arsch zusammenzukneifen und sich einer kleinen braunen wiesbadener Gesellschaft unterzuordnen hat. Wir erinnern uns, die GEMA schrieb vor einigen Jahren – im Auftrag der deutschen Musiklabels – den Radiosendern vor, wie viel deutschsprachige (nicht deutsche) Musik dort über den Äther zu gehen hat. Übrigens eine Kampagne, die damals von der CDU und einiger anderer Hinterwäldlerparteien frenetisch applaudiert wurde. Nun genau jene GEMA hat nun Google in den Arsch gekniffen und lacht sich nun einen Ast, weil es weiter gehen kann, mit der Mißachtung des Urheberrechts.

Der werte Leser wird mir dies wahrscheinlich kaum Glauben können, doch es entspricht nun einmal der Tatsache, daß die GEMA auf dem internationalen Markt behauptet, Lizenzen zu Songs zu besitzen, die sie gar nicht besitzt. So wie der Trickbetrüger, der an der Haustür vorbei kommt, und für ein verhungerndes Kind in Afrika wirbt und deshalb Geld haben möchte, aber noch nicht einmal den Vornamen besagten Hungerkindes kennt! Das gleiche Verhaltensmuster offenbart die GEMA immer öfter.

Nicht nur, daß inzwischen das südkoreanische Kultusministerium bestätigt hat, daß man sich bei dieser dummen GEMA-Affäre wohl mitten in einem Kulturkrieg befindet, so scheinen die Auswirkungen weitreichender zu sein. Da die GEMA in erster Hinsicht ein Verein der Drittverwerter und nicht der Künstler selbst ist, erkennt man schon, wenn man sich einmal die Neuregelung der finanziellen Abgleichung zu Gemüte führt, die die GEMA vor kurzem teilweise veröffentlicht hat, und die nicht nur die PIRATENPARTEI auf die Barrikaden brachte.

Doch worin geht es in dem ganzen Streit? Um nur läppische 12 Uralttitel, die sowieso kaum jemand auf YouTube anhört, oder steckt doch mehr dahinter? Wie bereits in den anderen Artikeln über die GEMA angedeutet, greifen hier mehrere Faktoren ineinander. Da wäre zum einen einmal der Umstand, daß man sich mitten in einem Kulturkrieg gegen Asien befindet. Nicht gegen Asien an sich, sondern gegen die dortige Künstlerszene. Da auch in good old germany einige asiatische Künstler ihre Platten einsingen und pressen lassen, fallen sie hiermit automatisch unter die Maßregelung der GEMA.

Tritt also ein asiatischer Künstler hier auf einem AnimeCon auf, so werden nicht die üblichen € 30 pro Eintrittskarte fällig, die vollständig an die GEMA fließen, und von denen der Künstler keinen Cent mehr wieder sieht, sondern die GEMA greift hier zu anderen Maßnahmen, um diese Künstler zu vergraulen. Wir erinnern uns: Michael Jackson hat bei seinem letzten Deutschlandkonzert nicht nur einen Riesenbatzen Geld an die GEMA überweisen müssen, sondern mußte auch einen eindeutigen Nachweis bringen, daß er nach wie vor die Lizenzen der Lieder hält, die er bei jenem Konzert präsentierte. Dies ging sogar so weit, daß GEMA-Beobachter vor Ort waren, um dann die fertige Songliste mit der zu vergleichen, die an die GEMA gegangen war. Da Jackson damals seine Zugaben nicht angegeben hatte (da er ja nicht hatte wissen können, daß er welche geben mußte), verdonnerte ihn die GEMA grade einmal zu einer Vertragsstrafe von € 20 Mio. Diese Kohle wurde an Herrn Jackson jedoch später nicht wieder zurückbezahlt, immerhin hatte er auch ein deutsches Label.

Nachdem nun die GEMA faktisch vor einem deutschen Gericht als Sieger gegen den Megariesen Google da steht, wird sich in der deutschen Musiklandschaft wieder einiges verändern. Es ist ja nicht so, daß die kleinen Künstler nie etwas von der GEMA von den selbst eingezahlten Gebühren jemals zurückbekommen hätten (sie haben laut Faktenlage niemals etwas zurückbekommen, eher noch zusätzliche Nachforderungen, wenn sie auf kleinen Gigs spielten). Aber es ist auch nicht so, daß YouTube nur der große böse Provider und Verbreiterplattform ist.

Schauen wir uns jetzt einmal die neue Vergütungsverordnung der GEMA näher an, erkennen wir schnell, worauf die GEMA – vor allem die Drittverwerterindustrie – hinarbeitet. Man möchte Anteile am deutschen YouTube haben. Aber nicht zu Werbezwecken, sondern nur, um zusätzliches Geld zu generieren, welches dann ebenfalls in den untiefen Abgründen der GEMA versickert. Ungefähr 1/3 aller GEMA-Mitglieder sind sehr große, oder große deutsche Musiklabels. SONY Deutschland beispielsweise ist zwar auch offiziell GEMA-Mitglied, aber da nur SONY hier eine Mitgliedschaft genießt, sind seine Sublabels alle nicht davon betroffen. SONY ist sowieso geschickt aufgebaut, und kann inzwischen, was die Undurchdringlichkeit angeht, locker mit der BERTELSMANN STIFTUNG mithalten.

Hoffen wir also einmal zugunsten der GEMA, daß sich dieser Sieg vor Gericht nicht in einen Pyrrhus reinsten Wassers verwandelt. Noch fabuliert ja die GEMA davon, daß es ihr nur darum ging, YouTube wieder an den Verhandlungstisch zu bringen. Mit dem Gerichtsurteil im Rücken sind nun die Mondpreise pro Klick durchsetzungsfähig. Woran man wieder einmal die Qualität deutscher Gerichte erkennt. Das die GEMA in der Mehrheit nicht die Lizenzen hat, um asiatische Künstler auf dem deutschen Markt – bis auf einige Ausnahmen – zu vertreten, ist sogar YouTube klar! Deshalb sollte in diesem Streit auf dem Rücken der User noch lange nicht das letzte Wort gefallen sein.

Die GEMA feiert sich selbst als Sieger, obwohl auch sie vom Gericht eine Maulschelle bekam. An der aktuellen Blockierpraxis hat dies jedoch wenig geändert. Und es werden auf YouTube eine Menge Künstler im Namen der GEMA weggeblockt, von denen YouTube/Google mit Sicherheit weiß, daß die GEMA gar nicht Lizenzträger im deutschen Raum ist. Dies ist sogar juristisch statthaft. Immerhin müßte die GEMA diese Lizenzen erst selbst einmal teuer erwerben, bevor sie mit überzogenen Blockadeforderungen ankommen darf. Nur kennen wir inzwischen alle die GEMA gut genug, um zu wissen, daß sie nicht dazu fähig ist, den Preis für die Lizenzen zu bezahlen, um hiernach selbst bei Google abkassieren zu können.

Da dies alles jedoch im Zusammenhang mit einem Kulturkrieg statt findet, sollten wir als deutsche Bürger auf unser Recht pochen, daß wir jede Musik hören möchten, die wir auch hören wollen. Nicht diesen Amischeiß, der uns von allen Ecken und Enden berieselt. Dieser Kulturkrieg, den die GEMA mitentfesselt hat, läuft bereits jetzt schon aus dem Ruder. Das Google als hungrige Datenkrake dargestellt wird, und die GEMA ja nach wie vor auf den Userdaten besteht, kann man sich ungefähr vorstellen, worin dieser ganze Skandal früher oder später enden wird. Und dies wird dann für die GEMA kein schönes Erwachen werden.

Tags: , , ,