Dieses Wochenende war Museumseröffnung in Darmstadt-Dieburg. Eröffnet wurde das Hessische Landesmuseum, welches eine siebenjährige Sanierungszeit hinter sich gebracht hat. Das Ergebnis kann sich fürwahr sehen lassen. Und zwar in mehrfacher Hinsicht.

Nicht nur, daß die Ausstellung aufgestockt wurde, das Haus wurde im Gesamten heller. Dies sind eigentlich nur positive Dinge. Doch in diesem Artikel hier geht es nicht nur um das Positive, sondern gleichwohl auch um die kleinen Patzer, die wohl immer bei einer Museumseröffnung mitschwingen.

Fakt ist, das Haus ist schöner geworden. Da sieht man als Besucher schon einmal darüber hinweg, daß die Klimatisierung nur in den oberen Etagen, wo sich die Ausstellung für Moderne Kunst befindet, halbwegs funktioniert, während sie im Rest des Hauses an den Eröffnungstagen sich wohl im Standby-Modus befindlich war. Die Klimatisierung ist aber nur eine der Eröffnungsmacken, die wohl jedem aufgefallen sind.

Der nächste Kritikpunkt ist dann auch schon gefunden. Die mehr als mangelhafte Beleuchtung in einigen Sammlungen. Nichts dagegen, wenn die Beleuchtung vernünftig eingerichtet wird, doch einige Museumsabschnitte ähneln einmal mehr dunklen Grüften, von denen der Hausbesitzer wohl möchte, daß man sie nicht näher in Augenschein nimmt. Es sind nur winzige Fehler, die aber die komplette Atmosphäre in bestimmten Bereichen zerstören. Das Licht ist entweder zu schwach oder falsch ausgerichtet. Zwar greift man schon auf modernste Leuchtkörper (LED-Technik) zurück, dennoch gelingt es ohne großen Aufwand eine größere Sammlung nahezu unsichtbar werden zu lassen.

 Neben der stellenweise mangelhaften Beleuchtung gibt es noch den anderen Umstand, daß bei sehr vielen Ausstellungsstücken die Beschriftung und Beschreibung vollständig fehlt. Und dort, wo sie nicht fehlt, ist sie entweder zu klein oder in einer völlig falschen Schriftart geschrieben, daß man sie selbst mit einer Brille, mit 2 Dioktrin auf jedem Auge, schlicht unleserlich sind. Doch dies ist es auch hierbei nicht. Denn zusammen mit den Schriften wurde noch ein anderer Teil verbockt.

Viele Sammlungen sind zwar in ihrer Schau größer geworden, aber der gewohnte Detailreichtum, der ein Museum – ein Landesmuseum im Besonderen – ausmacht, geht dabei völlig vor die Hunde. Man mag es zwar mögen, einige wirklich große, beeindruckende Skelette endlich einmal in vernünftigem Licht präsentieren zu können, doch ist dies ohne Beschriftung, passende Beleuchtung, und ohne entsprechende Aufklärungstafeln vollkommener Schwachsinn. Dieser Umstand konnte von uns nicht nur in einer Abteilung beobachtet werden, sondern allein im naturbiologischen Bereich ständig. Es gibt in diesem Museum wirklich keine Ecke – und mag sie noch so versteckt sein – wo die Fülle der Ausstellungsstücke Dank ihrer schieren Masse den gegenteiligen Eindruck hinterläßt. Unaufgeräumt ist da nur das harmloseste aller Argumente, die wir selbst von Besuchern zu hören bekamen. Und unaufgeräumt bedeutet im allgemeinen unordentlich.

Allein der Primatenraum, der zwar nun endlich überarbeitet wurde, ist in sich selbst so widersprüchlich gehalten, daß man tatsächlich einen studierten Führer braucht, um durch diesen Teil der Sammlung durchzusteigen. Nun ist Wissen an sich auch schon ein schwieriges Metier. Katastrophal wird es, wenn es nicht nur allenthalben an Beleuchtung und Beschriftung mangelt, sondern auch noch an den Glasscheiben, die eigentlich Vitrinen abschließen sollen. In einigen Etagen waren deshalb Nießanfälle der Besucher an der Tagesordnung. Anstatt also die empfindlichen Ausstellungsstücke sicher zu verwahren, wurden sie offen dargestellt. Mit dem Ergebnis, daß zum Teil jahrhundertealter Staub die Nasen und Bronchen der Besucher angriff. In besagter Sammlung war es mit am lautesten, zudem war sie auch noch stellenweise falsch sortiert und der Kurator für diesen Bereich kam mit Ausreden. [Namen nennen wir an dieser Stelle mit Absicht nicht. Wir möchten, daß der Herr seinen Bereich in Ordnung bringt. Und sich nicht damit herausredet, daß irgendein Lieferant nicht pünktlich liefern konnte.]

Wenn wir kurz zu den kleinen Privatsammlungen zurückkehren, die ebenfalls im Haus ausgestellt werden, so fällt auf, daß der Bereich Biedermeyer besonders gut dargestellt ist. Genauso das klassische Porzellan fand endlich einmal einen wunderbaren Platz. Das Problem für mich ist an dieser Stelle jedoch die japanische Sammlung. Eine der beiden ausgestellten, angeblichen „Samurai“-Rüstungen, ist keine solche, sondern die eines Infanteristen. Dies wäre aber auch dem Kurator dieses Bereichs klar gewesen, hätte er auf seiner Universität wenigstens einmal seinem Dozenten und seinem Tutor zugehört. Die andere „Samurai“-Rüstung entspricht nicht ganz dem Jahrhundert, aus dem sie angeblich kommen soll. Zwar hat sich in Japan der Rüstungsbau über Jahrhunderte hinweg kaum verändert, aber es gibt winzige Details, die die genaue Datierung erleichtern.

Die japanische Sammlung ist mit ihrer Handvoll Ausstellungsstücke eine Farce. Noch dazu eine schlechte, schlechtgeplant, und falsch umgesetzt. Hinzu kommt noch, daß man sich auf die Beschreibungen der Ausstellungsstücke durch den damaligen Sammler verließ, anstatt selbst in Japan entsprechend nachzurecherchieren und die Herkunft der Fundstücke selbst zu ermitteln. Allein bei den angeblichen „Samurai“-Rüstungen könnte man hier womöglich einen noch tieferen Schatz heben. [Der Autor ist zwar nur Amateur, aber die Infanterie-Rüstung scheint eine bewegte Geschichte zu haben. Man könnte sie locker noch um gut 150 Jahre zurückdatieren, womit sie vor den Zeitraum der Meiji-Restauration fiele. Die zweite Rüstung stammt ebenfalls gut ein Jahrhundert weiter zurück aus einer Zeit, als noch gekämpft wurde. Zudem bekannt ist, daß solche Rüstungen wirklich nur im Kriegsfalle benutzt wurden. Ihre Datierung ist falsch, aber darüber wird nur eine Materialkunde berichten. Danach sollte man sich bemühen, jene Familien zu finden, die damals die auf den Rüstungen eingewirkten Mons tragen durfte.]

Es sind aber solche Kleinigkeiten, die ein Museum ausmachen. Man muß kein Sinologe sein, um gravierende Fehler festzustellen. Allein einen Durchgang als japanische Sammlung zu betiteln und ein übergroßes Portrait des Sammlers dort anzubringen, macht aus einigen wenigen Fundstücken keine Sammlung, sondern nur einen Platzräuber. Man hätte diesen wenigen Kram auch an anderer Stelle besser präsentieren können. Womit wir wieder bei dem Licht- und Beschriftungsproblem sind.

Obwohl das Museum sauber und aufgeräumt wirkte, war in den einzelnen ausgestellten Sammlungen Chaos. Und dies nicht nur, weil größtenteils die Beschriftung fehlte, oder das Licht falsch war oder gleich völlig fehlte. Manche Bereiche, vor allem im Foyer, werden nicht richtig genutzt. Man hätte bereits im Eingangsbereich hinter den Infoschaltern entsprechende Ausstellungen einrichten können, damit man sich als Besucher willkommen fühlt. Statt dessen findet man hier eine riesengroße Freifläche vor, die bis zu den Treppen reicht. Was hätte man allein in diesem Bereich ausstellen können?

Die Unübersichtlichkeit einiger Sammlungen fand ja bereits Erwähnung. Richtig kraß wirkt sich dies in den Bereichen aus, die wohl besser in das Architekturmuseum nach Frankfurt/Main gepaßt hätten. Ich war dort schon einmal, und dort hat man es komischerweise in den Griff bekommen, Faksimile von Bauwerken entsprechend darzustellen. Gerade wenn es um klassische Baukunst handelt, paßt ein solcher Bereich nicht in ein Landesmuseum, wenn nicht bei den wunderschönen Repliken alter Meister und bei den daneben befindlichen Modellen ein Ort genannt würde, wo man ein solches Bauwerk in Natur bewundern kann. Dummerweise hat der Kurator dieses Bereiches dies vollkommen außen vor gelassen. Anscheinend war er noch nie im Architekturmuseum in Frankfurt/Main. Dort ist sogar vom laufenden Bauprojekt in Dubai nicht nur ein maßstabgerechtes Modell mit sehr vielen Details vorhanden, sondern auch noch eine genaue Beschreibung der Schwierigkeiten während der Bauphase. Wenn es um klassische Baukunst geht, erwartet der Besucher solche Informationen. Die Ausrede, daß die zu diesem Bereich gehörenden Informationstafeln zum Eröffnungstermin nicht fertig wurden, kann man so nicht gelten lassen. [Und auf diesen Mißstand war ja unser hessischer Kultusminister – Name ist der Redaktion entfallen, weil jener Herr schon in einem anderen Ministeramt dafür berühmt war, Mist zu bauen – besonders Stolz, wie die Bilder aus der FR und dem Echo beweisen.]

Im Klartext heißt dies: Im hessischen Landesmuseum in Darmstadt wütet das Chaos, steppt der Bär. Einige Teile der ausgestellten Sammlung sind wunderschön arrangiert, daran sieht man auch, daß hier mit sehr viel Liebe zum Detail vom betreffenden Kurator gearbeitet wurde. Hier wurde man dann wohl angeblich auch fertig, daß alles präsentabel wurde. Der Rest des Museums jedoch – und hier rechne ich die Sammlung moderner Kunst auf dem Dach mit ein – bedarf dringend einer Ãœberarbeitung. Es gibt noch mehr als genug Mängel, die man gar nicht alle aufzählen kann. Würde ich hier jede einzelne Fachdisziplin mit den vor Ort vorgefundenen Fehlern aufzählen – und nicht nur einen groben Ãœberblick geben, würde dieser Artikel länger ausfallen, als ein Leser ihn lesen würde. Denn die Mängelliste ist schlicht zu lang. Dann wurden bestimmte Bereich stiefmütterlich behandelt. Wo ist der Raum Messel? Wo entsprechend über die dortigen Ausgrabungen berichtet wird, mit einigen der wirklich schönen Ausstellungsstücke, die das Landesmuseum besitzt? Wo ist dieser Teil der Sammlung hin? [Ok, hier hat das Senckenberg die Nase vorn, aber Messel liegt unweit von Darmstadt entfernt, und bedarf deshalb im Landesmuseum einen entsprechend gr0ßen Bereich und nicht eine solche stiefmütterliche Behandlung in einer winzigen Räumlichkeit, in der man nicht einmal richtig atmen kann.]

Das Blog wartet nun 6 Monate – 182 Tage – ab, ob sich bis dahin das Chaos im Landesmuseum so weit beruhigt hat, und die ausgemachten Schwächen und Fehler aktiv behoben wurden. Ansonsten werden wir diesem Artikel hier einen Weiteren folgen lassen, und zwar dann mit der vollständigen Auflistung der bis dahin noch vor Ort vorhandenen Macken. Nicht nur in den einzelnen Sammlungen, sondern generell. Und falsche Beleuchtung ist keine Macke, an manchen Stellen sieht es derzeit wirklich nach Mutwilligkeit aus. 182 Tage, um alles besser zu machen, und das Museum wieder als Museum da stehen zu lassen. Wir finden, diese Zeit reicht vollständig aus.

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