Dorfgeschichten beginnen normalerweise mit „Es war einmal …“.

Nur diesmal nicht. Diesmal haben wir es mit einer hessischen Kleinstadt zu tun, in der das Rathaus seit Jahren verzweifelt versucht, die zentral im Ortsbereich gelegene Sport- und Kulturhalle zu erneuern.

Wie dieses Blog bereits schon vor Jahren feststellte, hat die Gemeinde in dieser Hinsicht einen chronischen Geldmangel, weil für den Neubau inzwischen dicke € 12.2 Mio benötigt werden würden. Das Problem ist hierbei aber, die Gemeinde hat maximal € 4.4 Mio für diese Umbau/Neubaumaßnahmen zur Verfügung.

Doch Geld wächst nicht auf Bäumen, und es wächst noch weniger, wenn man in der Gemeinde AfD-Anhänger duldet. (Aber das ist eine andere Geschichte.) Die Gemeinde jedenfalls hat leichte Probleme, wenn es darum geht, entsprechende Gelder aufzutreiben. Nach der Bürgermeisterwahl ist faktisch vor der Bürgermeisterwahl. Nur ist eben Wahl nicht Wahl. Und demnächst ist in Hessen auch noch Landtagswahl.

Der Gemeinderat (15 Mitglieder Grüne, 10 Mitglieder SPD, 10 Mitglieder CDU, 2 Mitglieder FDP) ist sich nur insoweit einig, daß er sich mal wieder uneinig ist, wie denn der Neubau der Sport- und Kulturhalle gegenfinanziert werden soll. Klar, ein wenig Geld hat man schon in der Gemeindekasse. Doch da man vor Jahren bereits verschlief – unter einem SPD-Bürgermeister*In – beim Land entsprechende Zuschüße zu beantragen, hat nun die Gemeinde jetzt die Probleme, die sie hat.

Denn das Problem ist ein sehr einfaches: Wo treibe ich Geld für den Neubau der Halle auf? Nirgendwo. Der kürzlich neugewählte Bürgermeister hat sich bereits für eine Sanierung bereit erklärt, die gerade einmal so teuer wird, wie der Abriß der Halle. [Man erkenne die Ironie. Abreißen wäre günstiger.] Denn der neue Bürgermeister hat mit schweren wirtschaftlichen Problemen zu kämpfen.

Nein, die mittelständigen Betrieben in der Gemeinde zahlen noch ihre Steuern. Problem an der Geschichte ist der kleine REWE-Markt, den wir im Ort haben. Denn der große REWE wird gerade um- und ausgebaut. Und wenn dies geschehen ist, und der kleine REWE seine Umsätze nicht hält, hat die REWE bereits angekündigt, das der Markt geschlossen wird. Mir geht es an dieser Stelle weniger um die Arbeitsplätze, auch diese sind für den Ort wichtig. Doch dieser kleine REWE versorgt im Ort ungefähr 6.000 Menschen mit Lebensmittel. Also gut ein Drittel der Gemeindebevölkerung.

Der große REWE versorgt derzeit gerade einmal 8.000 Bürger, denn in der Straße, in der er sich befindet, gibt es noch einen LIDL, einen NETTO und einen ALDI! Man erkennt also das Problem, oder etwa doch nicht? Wird der kleine REWE geschlossen, und der Gemeinde hierdurch weitere Steuereinnahmen entgehen, würde das kleine Einkaufsviertel bis zur Dorfstraße veröden und letztlich aufgegeben werden. Die beiden Ärzte, die dort wären, würden schließen, und medizinische Versorgung ist nun einmal in einem Kaff wie diesem das A und O.

Man erkennt also, wo das Dilemma hinführt! Ohne den kleinen REWE wird es keine neue Sport- und Kulturhalle geben. Sollte jemand im Ort den gerade anstehenden € 90 Mio-Jackpot knacken, bezweifle ich, daß der Gewinner fair genug ist, der Gemeinde das Geld für die Halle zu geben, und dem kleinen REWE den wirtschaftlichen Rückhalt zu geben, damit jener weitermachen kann. Denn asozial sind die Reichen in unserem Kaff absolut.

Womit wir wieder beim neuen Bürgermeister wären, der schon vor seiner Amtseinführung im Rathaus nicht sonderlich beliebt war, und es gerüchteweise da schon leichten Gegenwind gegen seine geplante Art von Politik gab. Und nun steht quasi die Sanierung der Sport- und Kulturhalle an, und es ist praktisch kein Geld da. Und es wird noch weniger sein, wenn der kleine REWE schließt.

Natürlich weiß ich, daß wir für diesen Artikel wieder angegriffen werden. Damit haben wir keine Probleme. Wir haben nur ein Problem damit, daß die ehrenamtliche Unfähigkeit des Gemeinderates mit daran die Schuld trägt, daß bald sehr viele Menschen in diesem Kaff hungern dürfen, weil kein Lebensmittelmarkt mehr in ihrer Reichweite befindlich ist. Denn der Wochenmarkt ist zu teuer, die Standgebühren, die die Gemeinde verlangt, sind eindeutig zu hoch.

Also, was machen wir, wie retten wir unser Dorf? In dem wir uns auf die Seite der AfD im Ort schlagen, und auf die nichtexistenten Ausländer im Ort einprügeln, die nichts dafür können, daß die Führungsetage von REWE genauso asozial agiert, wie es die Reichen im Ort tun? Oder tun wir das richtige, und klingeln mal unseren Dorfbürgermeister an, und zwingen ihn, etwas für den kleinen REWE zu tun, und jede Bürgerinitiative zu unterstützen, die von sich aus diesen kleinen Lebensmittelmarkt retten wollen? Es liegt an uns, ob unser Dorf bald eine Wüste ist, oder weiterhin floriert.

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