Gestern war ein sehr anstrengender Tag für mich. Zusammen mit dem Betreiber des Trottelblogs trieb ich mich in Frankfurt herum, um den Verlauf der Demonstrationen zu verfolgen und zu dokumentieren.

Was sofort auffiel, war die hohe Polizeipräsenz und was überdies ins Auge stach, war, dass es zwei Demonstrationszüge gab: einen, der vom Hauptbahnhof aus startete und einen anderen, der von Bockenheim aus kam. Dies hatte anscheinend nicht nur organisatorische Gründe und  somit zum Ziel, den Polizeibeamten das Wochenende mit einer Sonderschicht des Sondereinsatzkommandos (SEK-echt knackige Jungs:-) zu verderben.

Nein, anscheinend gab es auch inhaltliche Differenzen, die man anhand der unterschiedlichen Stand-und Ausgangspunkte plastisch veranschaulichen wollte.

Grob vereinfacht gesagt, handelte es sich bei den Demonstranten, die vom Hauptbahnhof kamen, anscheinend vornehmlich um Linke, Gewerkschaftsmitglieder,und Attacaktivisten…Diesen Utopisten einer sozialen Marktwirtschaft stellte sich ab der Bockenheimer Warte der selbst ernannte sozialrevolutionäre und antinationale Block entgegen – der vornehmlich aus Mitgliedern der verschiedenen Antifas (antifa,  Jugendantifa, autonome antifa, Campusantifa, Antifa G, antifa Gruppe 5 Marburg), der Ökolinx-antirassistischen Liste Frankfurt, der FAU Frankfurt, der Krisengruppe Frankfurt, IWW Frankfurt und der Gewerkschaft für alle Berufe zu bestehen schien.

In dem gesonderten Aufruf eben dieses Blocks wurde der Reformismus eines Lafontaine, der attac und des DGB beklagt. Wie ich finde, völlig zurecht. Denn es gibt wohl wirklich keinen guten Kapitalismus, es wird Zeit aus dem Zug des Kapitalismus auszusteigen.

Dies möchte ich anhand eines kleinen Beispieles verdeutlichen…Ich sah mir gestern Abend noch einen Thomas Bernhard Abend in Wiesbaden an und war gerade dabei, über den Theatermacher nachzugrübeln, als ich in der S Bahn saß. Ich sagte mir, dass Bernhard sich in der Person des Theatermachers, der ja autobiographische Züge aufweist, einerseits über die faschistoide österreichische Aristokratie lustig macht, denn der Theatermacher war ja früher Staatsschauspieler gewesen und hat sich vom Logentheater voll Ekel abgewendet, um Volkstheater zu machen. Er ist selbstständig geworden, mit einem Theaterfamilienbetrieb reist er tourneetheatertechnisch durch Österreich und macht Volkstheater.  Jetzt ist er im Schweinestall Butzbach gelandet und er beginnt, das Volk als übergeordnete verordnete Sippe ebenso zu hassen, wie seine selbstgegründete Familie. Er entdeckt, dass er ein Misantroph und alles andere als ein liebender Ehemann und Vater ist. Er verachtet die kulturbanausische Unterschicht, für die er Aufklärungstheater macht: die blutwurstmachenden Bauern. Und er entdeckt, dass der Theaterbetrieb als solcher als Pseudonym für die intellektuelle Elite eine einzige Lüge darstellt und gesteht sich ein,dass er seinen Beruf hasst…Ãœbertragen auf den Marxismus würde dies ja bedeuten, dass die Bourgoisie eben jenen Großteil der Bevölkerung aus tiefster Seele verachtet, den sie zur Revolution anstiften will, ebenso wie die privilegierte Oberschicht, deren Position sie sich durch eben eine solche einzuverleiben gedenkt…

Gerade indem der Theatermacher die Landidylle als Humus für den Faschismus entlarvt, entlarvt er sich selbst als faschistoiden Misantrophen, der der Unterschicht unterstellt, dass sie so bildungsfern sei, dass sie immer einen Macher, einen Vordenker, einen Anführer brauche – wobei der Snobismus, den er dabei an den Tag legt, ausgesprochen aristokratische Züge trägt – eine herrliche Groteske-ähnlich der,die sich da gestern in Frankfurt abgespielt hat-da wirft ein linker Block dem anderen Faschismus vor und beide haben vermutlich  ebenso recht wie unrecht…Solange Linke so link miteinander umgehen,werden Rechte immer recht behalten. Und der schwarze Block trägt durch die Farbmischung mit dem roten zur Entstehung der Farbe braun erst bei…Wobei ich auf sexueller Ebene für eine viel größere Vermischung eintrete, wäre jeder mit jedem verwandt, dann gäbe es weniger Erbstreitigkeiten, da wir alle diesselbe Erbmasse hätten…Marx hatte recht: Männer und Frauen dieser Erde vereinigt Euch (egal ob homo-oder hetero-im Prinzip sind wir doch alle bisexuell) – dann würde auch der Geschlechterkrieg und die Eifersucht aufhören. Mann/Frau sollte einfach alles teilen – selbst die Betten,selbst die Geliebten/Liebhaber-wie sagte noch mein letzter Lebensabschnittsgefährte „Was reden wir von den 68 ern,reden wir doch lieber über die 69 er“…hm

Gerade als ich in meiner gedanklichen Revision nach gelegentlichen Eskapaden an der Stelle angekommen war, an der der Theatermacher den Frauen Unfähigkeit zur Lüge im verlogenen Theaterbetrieb vorwarf und ich daraus schlussfolgerte, dass es sich hierbei um eine recht perverse Form des Sexismus handelte, den man durchaus auch als Kompliment auslegen könne, wurde ich von einem S Bahnkontrolleur der Deutschen Bahn in Uniform recht unsanft und uncharmant aus meinem vorgetäuschten Schlaf erweckt: Er grummelte „nicht schlafen, Fahrkarte zeigen“. Zuerst wollte ich protestieren und auf mein Bürgerrecht, in einer S Bahn zu schlafen, verweisen, fingerte dann aber doch nach meinem Kulturticket, das ich ihm unter die Nase halten wollte…Da war er schon wieder abgerauscht-bei der DB scheinen nicht nur die Waggons, sondern auch die Waggonkontrolleure mit Rädern ausgestattet zu sein – Er kümmerte sich gerade um eine Gruppe von 6 männlichen Jugendlichen…Zuerst war ich eingeschnappt, dass er mich gestört hatte und mich nun auch noch warten ließ, aber dann dachte ich, dass es doch eigentlich recht zuvorkommend von ihm war, mich davor bewahren zu wollen,irgendwo nachts in der Pampa aufzuwachen-vermutlich in Wutzbach-äh-Butzbach.

Doch diese meine Gemütsverfassung änderte sich ebenso rasch…Es stellte sich bei der Kontrolle nämlich heraus, dass die Jugendlichen ein Wochenendticket gezogen hatten und der sechste Fahrgast folglich schwarz fuhr. Also stellte der Schaffner die 6 vor die Wahl, einen die Rechnung von 40 Euro begleichen zu lassen, wozu er auch noch die Personaldaten haben wollte…Er griff sich dann einfach einen Sündenbock heraus, der sich weigerte, seinen Pass zu zeigen. womit er vermutlich  sogar im Recht war, da ein Schaffner ja kein Polizist ist, obgleich es ja doch so eine Art Sympathiegemeinschaft Uniformierter auf diesem Planeten zu geben scheint-Uniformierte aller Länder vereinigt Euch-so sollte es vermutlich heißen, ach ja, ach ja, der gute alte Fetischismus , er regiert in Wahrheit die Welt-hier haben wir sie-die Weltverschwörung der Uniformierten, ha ha…so lästerte ich in den Gedanken und war guter Dinge…als der Sündenbock plötzlich in Höchst aufsprang und einfach ….ausstieg…

Der Uniformierte war erst einmal sprachlos, rief dann aber die anderen Uniformierten zu Hilfe, sie vereinigten sich zu einer Beratschlagung und dann hielten er und ein Kollege den verbliebenen 5 Freunden eine Moralpredigt,die mich  dann doch etwas verärgerte.

Sie meinten, sowas wie vorhin mache kein echter Mann, ein echter Mann würde zu seinen Irrtümern stehen und dafür geradestehen und bezahlen. Sowas würden nur Frauen machen, aber kein Mann.

Danach zogen beide beleidigt und frustriert ab…Ich hätte zwar als Zeugin den Abgang des sechsten bestätigen können, aber ich würde dies niemals tun, da ich ja eine Frau bin und folglich unehrlich und feige. Diesen sechsten Mann habe ich nie gesehen, denn er war ja kein echter Mann, sondern ein Jugendlicher und obendrein laut der Uniformierten kein Mann…Also ist er für mich ebenso unsichtbar, wie ich als  uninformierte ununiformierte Frau für die uniformierten informierten Männer – ich wurde anschließend negiert und gar nicht mehr kontrolliert…

Was lernen wir daraus?  Dass Uniformierte unbelehrbar sind und wie lustig pazifistische Anarchie sein kann, hi hi ho ho ha ha hu hu schubidubiduu-es lebe der Dadaismus(:-)

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